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Die Comedian Harmonists - "Popstars" der Dreißiger Jahre

80 Jahre ist es nun schon her, dass der Berliner Schauspielschüler Max Frommermann auf der Suche nach Mitgliedern für sein "einzig dastehendes Ensemble" am 18. Dezember 1927 eine Anzeige im Berliner Lokalanzeiger aufgab. Dass er damit den Grundstein zur Bildung des berühmtesten deutschen Volksensembles - dessen Lieder sich noch heute ungebrochener Beliebtheit erfreuen - legte, war ihm damals mit Sicherheit nicht bewusst. Die Rede ist von den einzigartigen "Comedian Harmonists".

Aller Anfang ist schwer
Obwohl auf das Inserat hunderte Bewerber zu einem von Frommermann und dem Pianisten und späteren Bariton Theodor Steiner arrangierten Vorsingen erscheinen (darunter auch Joopi Heesters), kann lediglich der Chorsänger Robert Biberti mit seiner wohlklingenden Bassstimme überzeugen. Nachdem auch noch Bibertis Sangeskollege Ari Leschnikoff und Walter Nussbaum als Tenöre zu der Gruppe stoßen, kann im Februar mit ersten Proben begonnen werden und die Gruppe beginnt sich unter dem Namen "Melody Makers" um Auftritte zu bemühen. Nach dem Ausstieg Steiners werden die "Melody Makers" um Erwin Bootz (Pianist und Arrangeur) und Roman Cycowski (Bariton) erweitert.

In dieser Besetzung erhalten sie vom Intendanten des Großen Schauspielhauses Berlin Eric Charell ein Engagement in der Revue "Casanova", in der sie erstmals unter dem Namen
"Comedian Harmonists" auftreten. Aufgrund des Erfolges folgen Auftritte im "Kabarett der Komiker" und es entstehen erste Schallplattenaufnahmen für Electrola und Odeon. Nach Ausscheiden Nussbaumers aus dem Ensemble folgt Erich Collin als zweiter Tenor. Dies sollte die endgültige Besetzung der Comedian Harmonists bleiben.

Der Weg zum Erfolg
Ab 1929 stellen sich für die Gruppe erstere große Erfolge ein. So treten sie im Mai im Kölner Varieté auf und erhalten Gastauftritte in UFA-Filmen wie "Zwei Krawatten" mit Marlene Dietrich und Hans Albers. Durch ihr mittlerweile abendfüllendes Repertoire beginnen die Comedian Harmonists ihre Tournee durch Deutschland und können sowohl Publikum als auch Kritiker begeistern. Fortan treten sie neben Stars wie Heinz Rühmann und Lilian Harvey in Kinofilmen auf, sind ständig im Radio präsent und erhalten einen langfristigen Plattenvertrag bei Electrola. Es folgen erste Auslandsauftritte - die Popularität der Comedian Harmonists scheint keine Grenzen zu kennen. Mit ihren wohlklingenden, harmonischen Arrangements in Verbindung mit komödiantischem Auftreten hatten sie den Geschmack des Publikums voll getroffen.

Nationalsozialismus bedeutet das Aus
Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahre 1933 beginnt sich für die Gruppe das Blatt zu wenden. Nachdem eine Verordnung auf Pflichtmitgliedschaft in der Reichskulturkammer erlassen wird, die mit einem "Ariernachweis" verbunden ist, muss das Ensemble aufgrund der jüdischen Abstammung von Frommermann, Collin und Cycowski beginnen, Auftritte abzusagen. Obwohl sie noch bis 1934 mit Hilfe einer Sondergenehmigung auftreten dürfen, um ihre Vertragsverpflichtungen zu erfüllen, zeichnet sich das Ende ihrer Karriere in Deutschland schon deutlich ab. Nach Gastspielen im restlichen Europa und in den USA fällt am 22. Februar 1935 in Norwegen der letzte Vorhang für die ursprünglichen Comedian Harmonists.
Da sich Biberi, Bootz und Leschnikoff für eine Rückkehr nach Deutschland entscheiden, zerfällt die Gruppe und geht getrennte Wege. Sowohl die nach Deutschland zurückgekehrten Mitglieder als auch die emigrierten Mitglieder der Gruppe versuchen den Erfolg der Comedian Harmonists weiterzuführen.

Biberi, Bootz und Leschnikoff stellen eine neue Gruppe auf die Beine, müssen jedoch den Namen "Meistersextett" wählen, da der Name "Comedian Harmonists" mittlerweile von der Reichsmusikkammer verboten wurde. Da auch die meisten Arrangements der Comedian Harmonists verboten waren, konnte das Meistersextett nur mit stark eingeschränktem Repertoire auftreten. Nach schweren Zerwürfnissen zwischen Biberti und Leschnikoff zerfällt 1939 schließlich auch das Meistersextett.
Nachdem die jüdischen Mitglieder der Comedian Harmonists Cycowski, Frommermann und
Collin gezwungen sind, ins Ausland zu flüchten, formieren sie sich in Wien unter dem Namen "Comedy Harmonists" neu und feiern unter diesem Namen in Österreich, Frankreich, Luxemburg, Großbritannien, Russland, Belgien, Dänemark, Holland und Australien große Erfolge. Nach Hitlers Einmarsch in Österreich im Jahre 1938 flieht die Gruppe ins Schweizer Exil und schließlich nach London. Hier entstehen 1938 - 1939 die letzten Schallplattenaufnahmen. Nach einer Amerika-Tournee und einer zweiten Gastspielreise nach Australien beschließen die drei Sänger trotz mittlerweile eher mäßigen Erfolges in den USA zu bleiben. Auch hier erfolgt nach unüberbrückbaren Differenzen im Jahr 1941 das endgültige Aus des Ensembles.

Bis heute populär
Die einprägsamen Melodien und witzigen Texte der Comedian Harmonists haben eine ganze Ära geprägt und erfreuen sich selbst heute noch ungebrochener Beliebtheit. Gassenhauer wie "Veronika, der Lenz ist da", "Mein kleiner grüner Kaktus" oder "Ein Freund, ein guter Freund" klingen selbst nach so vielen Jahren einzigartig in unseren Ohren. Leider meinte es das Schicksal mit den Comedian Harmonists nicht allzu gut, denn fast alle Mitglieder starben verarmt.

 
 

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